Ulf Brandes, Pascal Gemmer, Holger Koschek & Lydia Schültken: Management Y

Ulf Brandes, Pascal Gemmer, Holger Koschek & Lydia Schültken: Management Y
Ulf Brandes, Pascal Gemmer, Holger Koschek & Lydia Schültken: Management Y

Allen, die als Nicht-ITler ins Thema Agilität und vor allem Führung im agilen Kontext einsteigen wollen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Wer – wie ich – schon länger mit diesen Themen unterwegs ist, wird allerdings wenig neues entdecken.

Der Aufbau des Buches erinnerte mich sehr stark an Fearless Change. Zunächst wird im Teil Mehr Menschlichkeit im Management! die grundlegende Motivation für das Buch erklärt. Die von den Autoren vertretenen Ansichten teile ich auch – bis auf die Tatsache, dass Taylor unverdient mal wieder viel zu schlecht wegkommt.

Im zweiten Teil des Buches wird Management Y aus vier Sichten beschrieben: Organisation gemeinsam erleben, Liefern, was gebraucht wird, Menschen ehrlich begeistern und Kunden wirklich verstehen.Der zweite Teil ist eine Runde Sache und für Einsteiger super. Alle vier Blickwinkel werden kompakt beschrieben und moderne Wege gezeigt, sich ihnen zu stellen. Einziges Manko ist, dass bestimmte Modelle sehr stark im Fokus stehen – vielleicht weil sie den Vorlieben der Autoren entsprechen.

Mit insgesamt 24 Pattern ist der dritte Teil sehr hilfreich, wenn man sich in der Welt agiler Praktiken orientieren will. Wer regelmäßig in der Community unterwegs ist, Blogs liest oder schon andere Bücher zum Thema kennt, wird aber nur schwerlich etwas Neues finden.

Der Ausblick am Schluss ist für mich persönlich etwas zu esoterisch. Ich mache zwar regelmäßig Yoga und meditiere auch sehr gerne – aber das passt nicht zu einem Buch, dass das Wort Management im Titel trägt.

Der Titel ist auch das, was ich an dem Buch im Wesentlichen kritisieren muss. Ich bin ein großer Verfechter des Management 3.0 und empfand das Buch von Jurgen Appelo als einen Meilenstein der Management-Literatur. Management Y hat mit Management …wenig zu tun. Es ist eher eine Ideensammlung und ein Startpunkt für Menschen, die sich mit dem Thema Agilität auseinandersetzen wollen. Wer sich mit Führung – oder Management – in agilen Organisationen auseinandersetzen will, kommt nach wie vor an Appelo nicht vorbei.

Mein Fazit: Das Buch ist super. Für mich persönlich war es viel zu flach. Aber ich bin auch nicht die Zielgruppe. Es gibt dennoch vier Sterne bei Goodreads, weil die Zusammenstellung im Buch für Einsteiger richtig Klasse ist – und die sind mit Sicherheit auch die Zielgruppe 🙂

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors
Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Ein Buch über Management im Pragmatic Bookshelf musste ich natürlich lesen. Vor allem, wenn mit Esther Derby eine bekennende Agilisting zu den Autoren gehört.

Das Buch erinnert entfernt an Tom DeMarcos Der Termin. Es ist kein klassisches Fachbuch, sondern der Leser begleitet Sam, einen neuen Manager in einer Softarefirma, während seiner ersten sieben Wochen. Jede dieser sieben Wochen entspricht dabei einem Kapitel. Der Stil innerhalb der einzelnen Kapitel variiert sehr stark. Es gibt Szenen, in denen Personen miteinander sprechen und der Leser erfährt, was Sam sich so alles denkt. Nebenbei werden verschiedene Managementmethoden vorgestellt und verschiedene Themen in vom eigentlich Text abgesetzten Boxen erkläutert. Einen direkten Leseweg durch das Buch gibt es nicht, zumal viele der Managementmethoden in Form von Pattern im letzten Kapitel erklärt sind.

Das Buch ist amüsant geschrieben ohne, dass ihm die Ernsthaftigkeit fehlt. Der Leser begleitet Sam während seiner ersten sieben Wochen durch die üblichen Hochs und Tiefs des Managements in Softwareunternehmen. Die beiden Autorinnen haben dazu auch einen ausreichenden Erfahrungsschatz aus dem sie berichten können.

Fazit: Dieses Buch darf neben Der Termin im Regal stehen. Man kann jede Menge über Management im Bereich der Softwareentwicklung lernen. Es liest sich gut und ist auch für Leser, die mit der englischen Sprache nicht so stark vertraut sind, zu verstehen. Besonders das Kapitel über die Techniques for Practicing Great Management sollte zum Curriculum eines jedes Master of Business Administration gehören.

Christof Ebert: Outsourcing kompakt

Christof Ebert: Outsourcing kompakt
Christof Ebert: Outsourcing kompakt

Innerhalb von kurzer Zeit das zweite Buch von Christof Ebert aus der kompakt-Reihe, das ich gelesen habe. Auch dieses Buch ist kurz, knapp und präzise. Der Autor hat es wieder geschafft, dem Titel zu entsprechen.

In der IT-Branche kommt man nicht umhin, sich mit dem Thema Outsourcing zu beschäftigen. Sei es als Dienstleister oder Freelancer auf Seite der Auftragnehmer oder als Projektmanager auf Seite eines Auftraggebers.
Ebert beleuchtet in seinem Buch vor allem die letztgenannte Seite. Wie auch in seinem Buch über Risikomanagement arbeitet der Autor viel mit Checklisten, allein im zweiten Kapitel liefert er drei davon.

Im ersten Kapitel beschreibt er Motivationen für Outsourcing ebenso wie Gründe, warum erfolgreiches Outsourcing so schwer ist. Zusätzlich liefert dieses Kapitel noch eine Übersicht der Begriffe, mit denen der Leser beim Thema Outsourcing konfrontiert wird.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Frage nach den Möglichkeiten des Outsourcing bezogen auf Organisationen und konkrete Projekte. Die Kapitel drei und vier beschäftigen sich mit den Themen der Lieferantenauswahl und der Herausforderungen des internationalen Outsourcing. Hier liegt der Fokus vor allem auf den Großen Drei: Indien, China und Osteuropa. Das folgende Kapitel beschäftigen sich mit dem Thema Lieferantenmanagement, insbesondere den rechtlichen und vertraglichen Aspekten im Zusammenhang mit Outsourcing.

In Kapitel Sechs erklärt der Autor, wie man einen Outsourcing-Prozess aufbaut, welche Rollen wahrgenommen werden müssen – und wie man sich als Auftraggeber schützt. Einer einzigen Rolle ist ein komplettes, wenn auch nur sehr kurzes Kapitel gewidment: dem Outsourcing-Manager. Abgeschlossen wird das Buch durch Kapitel mit Tipps zum erfolgreichen Outsourcing und aktuellen Trends und Entwicklungen des Themas.

Fazit: Wer sich beruflich, insbesondere in der IT-Branche, mit dem Thema Outsourcing beschäftigen muss, egal ob als Auftraggeber oder Auftragnehmer, für den ist das Buch ein guter Einstieg ins Thema. Es hilft, eigene Schwächen zu erkennen und kann als Ausgangspunkt dienen, diese anzugehen.

Christof Ebert: Risikomanagement kompakt

Christof Ebert: Risikomanagement kompakt
Christof Ebert: Risikomanagement kompakt

Ein Buch das im Titel das Wort kompakt trägt darf kurz, knapp und präzise sein.
Christof Eberts Werk zu Thema Risikomanagement in IT- und Softwareprojekten erfüllt alle drei Kriterien.

Das Buch beginnt mit einem Zitat von Tom Gilb zum Thema Risiken, welches dem geneigten Leser ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Der Autor hat den Anspruch, einen Einstieg und eine Übersicht zum Thema Risikomanagement zu liefern, was ihm auch gelingt. Das Buch beginnt mit einem recht trockenen Kapitel zur Frage was Risiken und Unsicherheiten überhaupt und insbesondere bei IT- und Software-Projekten sind. Darauf folgt jeweils ein Kapitel zu den Themen Identifizieren, Bewerten, Abschwächen und Verfolgen von Risiken. Zwei abschließende Kapitel widmen sich den Fragen der Risikostrategie und einigen allgemeinen Tipps.

Trotz der Kompaktheit des Buches gelingt es dem Autor, jede Menge hilfreiche Checklisten unterzubringen und beinahe sämtliche Standards und Vorgehensmodelle zum Thema Risikomanagement zu erwähnen. Sehr hilfreich sind auch die Hinweise zu weiterführender Literatur.

Leider ist der Schreibstil etwas zäh, so dass es Disziplin erfordert, das Buch komplett zu lesen. Länger als die knapp 140 Seiten hätte es nicht sein dürfen.

Fazit: Ein nützlicher Einstieg ins Thema Risikomanagement bei dem die Würze in der Kürze liegt. Muss man nicht gelesen haben, wenn man weiterführende Werke kennt.

Boris Gloger & André Häusling: Erfolgreich mit Scrum – Einflussfaktor Personalmanagement

Boris Gloger & André Häusling: Erfolgreich mit Scrum - Einflussfaktor Personalmanagement
Boris Gloger & André Häusling: Erfolgreich mit Scrum – Einflussfaktor Personalmanagement

Nachdem ich im Rahmen meines Studiums an etlichen Vorlesungen zum Thema Leadership, Organisationsmanagement und Human Resources teilgenommen habe und mit den un-agilen Ansichten vieler renommierter Dozenten überhaupt nicht glücklich war, habe ich mich gefreut, ein Buch zu finden, dass verspricht das Thema Personalmanagement aus der Perspektive von Scrum zu betrachten.
Das 2011 erschienene Buch hatte bei Amazon noch keine Kritiken bekommen, aber die Beschreibung klang vielversprechend.

Im Laufe der letzten Woche habe ich es nun durchgelesen und denke, das Buch ist eine Runde Sache. Das konnte man auch erwarten, sind doch die Autoren schon eine Weile im Scrum-Umfeld unterwegs und streuen ihre Erfahrungen immer wieder mit ein.

In einführenden Kapitel werden zunächst die Rahmenbedingungen für erfolgreiche agile Projekte aufgezeigt und der Leser auf einigen wenigen Seiten mit Scrum vertraut gemacht. Da die Zielgruppe des Buches vermutlich weniger Entwickler und erfahrene Scrum-Anwender sind, ist die Einführung schon fast etwas knapp.

Die folgenden Kapitel beleuchten unterschiedliche Aspekte einer Organisation, die sich vom klassischen Modell hin zu einer agilen Organisation entwickelt. Dabei wird in fast jedem Kapitel explizit auf die Rolle der Personalabteilung für das jeweilige Thema eingegangen.

Inhaltlich werden Change Management, Personalbeschaffung und – auswahl, Talentsuche und -management ebenso behandelt wie die Problematik, Mitarbeiter bei der Stange zu halten, sei es durch Leistungsbeurteilungen und Zielvereinbarungen oder Vergütungsmodelle und Arbeitsbedingungen.
Interessant und wichtig ist auch das Kapitel über Trennungsmanagement, haben doch gerade hier viele Unternehmen – gleichgültig ob sie agile oder klassische Organisationen sind – immer wieder Probleme.

Wenig Erleuchtung hat mir das Kapitel über Leadership gebracht. Das einzige Detail, das mir hier positiv auffiel, war der Bezug zu Peter Druckers Management by Objectives und des Buches The One Minute Manager von Kenneth Blanchard und Spencer Johnson. Letzteres in Kombination mit Jurgen Appelos Management 3.0 kann das gesamte Kapitel zum Thema Leadership mehr als nur ersetzen.

Abgerundet wird das Buch mit einem zusammenfassenden Kapitel über strategisches Personalmanagement und dessen Bedeutung als Erfolgsfaktor in agilen Organisationen und einem „Gespräch“ der beiden Autoren in dem sie für agiles Personalmanagement werben.

Negativ fiel mir auf, dass einige Quellen auf die sich im Text bezogen wird, zwar als Fußnoten Einträge im Literaturverzeichnis referenzieren, diese Einträge aber dort nicht vorhanden sind. Und natürlich gibt es wieder das Hanser-Verlag-Problem: Man bezahlt bei der Druck-Ausgabe für ein E-Book, das man nur unter Windows anschauen kann.

Fazit: Das Buch ist nett zu lesen, hat aber nicht das Potential eines User Stories Applied oder Management 3.0.