„Ich will mein Vetorecht!“ – Über Vertrauen in agilen Projekten

Agile Vorgehensweisen benötigen Vertrauen. Dieses Vertrauen muss innerhalb des Teams entstehen, es muss zwischen dem Auftraggeber und dem Team entstehen – und es muss zwischen Führungskräften und dem Team entstehen.

Wenn ich Teams begleite, entsteht das Vertrauen innerhalb des Teams häufig sehr schnell und stabilisiert sich. Gelingt es einem Team, früh Resultate zu zeigen, wird es zumeist mit dem Vertrauen des Auftraggebers belohnt. Dieses Vertrauen wächst mit der Kontinuität, in der das Team wertvolle Software liefert.

In Workshops zu Einführung agiler Softwareentwicklung gehe ich immer auf dieses notwendige Vertrauen ein. Ich spreche es gegenüber dem Team an, gegenüber den Kunden – sofern diese teilnehmen – und natürlich gegenüber den Führungskräften. Mit letzteren erlebe ich allerdings sehr oft etwas, das mich immer auf’s Neue zum Nachdenken bringt.
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Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors
Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Ein Buch über Management im Pragmatic Bookshelf musste ich natürlich lesen. Vor allem, wenn mit Esther Derby eine bekennende Agilisting zu den Autoren gehört.

Das Buch erinnert entfernt an Tom DeMarcos Der Termin. Es ist kein klassisches Fachbuch, sondern der Leser begleitet Sam, einen neuen Manager in einer Softarefirma, während seiner ersten sieben Wochen. Jede dieser sieben Wochen entspricht dabei einem Kapitel. Der Stil innerhalb der einzelnen Kapitel variiert sehr stark. Es gibt Szenen, in denen Personen miteinander sprechen und der Leser erfährt, was Sam sich so alles denkt. Nebenbei werden verschiedene Managementmethoden vorgestellt und verschiedene Themen in vom eigentlich Text abgesetzten Boxen erkläutert. Einen direkten Leseweg durch das Buch gibt es nicht, zumal viele der Managementmethoden in Form von Pattern im letzten Kapitel erklärt sind.

Das Buch ist amüsant geschrieben ohne, dass ihm die Ernsthaftigkeit fehlt. Der Leser begleitet Sam während seiner ersten sieben Wochen durch die üblichen Hochs und Tiefs des Managements in Softwareunternehmen. Die beiden Autorinnen haben dazu auch einen ausreichenden Erfahrungsschatz aus dem sie berichten können.

Fazit: Dieses Buch darf neben Der Termin im Regal stehen. Man kann jede Menge über Management im Bereich der Softwareentwicklung lernen. Es liest sich gut und ist auch für Leser, die mit der englischen Sprache nicht so stark vertraut sind, zu verstehen. Besonders das Kapitel über die Techniques for Practicing Great Management sollte zum Curriculum eines jedes Master of Business Administration gehören.

Boris Gloger & André Häusling: Erfolgreich mit Scrum – Einflussfaktor Personalmanagement

Boris Gloger & André Häusling: Erfolgreich mit Scrum - Einflussfaktor Personalmanagement
Boris Gloger & André Häusling: Erfolgreich mit Scrum – Einflussfaktor Personalmanagement

Nachdem ich im Rahmen meines Studiums an etlichen Vorlesungen zum Thema Leadership, Organisationsmanagement und Human Resources teilgenommen habe und mit den un-agilen Ansichten vieler renommierter Dozenten überhaupt nicht glücklich war, habe ich mich gefreut, ein Buch zu finden, dass verspricht das Thema Personalmanagement aus der Perspektive von Scrum zu betrachten.
Das 2011 erschienene Buch hatte bei Amazon noch keine Kritiken bekommen, aber die Beschreibung klang vielversprechend.

Im Laufe der letzten Woche habe ich es nun durchgelesen und denke, das Buch ist eine Runde Sache. Das konnte man auch erwarten, sind doch die Autoren schon eine Weile im Scrum-Umfeld unterwegs und streuen ihre Erfahrungen immer wieder mit ein.

In einführenden Kapitel werden zunächst die Rahmenbedingungen für erfolgreiche agile Projekte aufgezeigt und der Leser auf einigen wenigen Seiten mit Scrum vertraut gemacht. Da die Zielgruppe des Buches vermutlich weniger Entwickler und erfahrene Scrum-Anwender sind, ist die Einführung schon fast etwas knapp.

Die folgenden Kapitel beleuchten unterschiedliche Aspekte einer Organisation, die sich vom klassischen Modell hin zu einer agilen Organisation entwickelt. Dabei wird in fast jedem Kapitel explizit auf die Rolle der Personalabteilung für das jeweilige Thema eingegangen.

Inhaltlich werden Change Management, Personalbeschaffung und – auswahl, Talentsuche und -management ebenso behandelt wie die Problematik, Mitarbeiter bei der Stange zu halten, sei es durch Leistungsbeurteilungen und Zielvereinbarungen oder Vergütungsmodelle und Arbeitsbedingungen.
Interessant und wichtig ist auch das Kapitel über Trennungsmanagement, haben doch gerade hier viele Unternehmen – gleichgültig ob sie agile oder klassische Organisationen sind – immer wieder Probleme.

Wenig Erleuchtung hat mir das Kapitel über Leadership gebracht. Das einzige Detail, das mir hier positiv auffiel, war der Bezug zu Peter Druckers Management by Objectives und des Buches The One Minute Manager von Kenneth Blanchard und Spencer Johnson. Letzteres in Kombination mit Jurgen Appelos Management 3.0 kann das gesamte Kapitel zum Thema Leadership mehr als nur ersetzen.

Abgerundet wird das Buch mit einem zusammenfassenden Kapitel über strategisches Personalmanagement und dessen Bedeutung als Erfolgsfaktor in agilen Organisationen und einem „Gespräch“ der beiden Autoren in dem sie für agiles Personalmanagement werben.

Negativ fiel mir auf, dass einige Quellen auf die sich im Text bezogen wird, zwar als Fußnoten Einträge im Literaturverzeichnis referenzieren, diese Einträge aber dort nicht vorhanden sind. Und natürlich gibt es wieder das Hanser-Verlag-Problem: Man bezahlt bei der Druck-Ausgabe für ein E-Book, das man nur unter Windows anschauen kann.

Fazit: Das Buch ist nett zu lesen, hat aber nicht das Potential eines User Stories Applied oder Management 3.0.

Roman Pichler: Scrum

Roman Pichler: Scrum
Roman Pichler: Scrum

Roman Pichers Buch Scrum – Agiles Projektmanagement erfolgreich einsetzen liefert auf knapp 170 Seiten einen umfassen Einstieg in das Thema Scrum.

Zunächst beginnt das Buch Gründe für und Mythen über Scrum zu erklären – und verschweigt nicht, dass Scrum kein Allheilmittel für Projekte in Schieflage ist, sondern harte Arbeit von allen am Projekt Beteiligten verlangt. In einem Überblick werden zunächst die Rollen Product Owner, Team und Scrum Master erläutert, was erfreulich knapp geschieht, ohne auf Details zu verzichten. Für die beiden Rollen Product Owner und Scrum Master wird auch gleich noch auf verbreitete Fehler hingewiesen und wie sie zu vermeiden sind.

Weiter geht es mit den Themen Anforderungsmanagement und Releasemanagement, denen jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Geht Scrum üblicherweise von der Existenz einen Backlogs aus, das sich auf geradezu magische Weise immer von selbst füllt, ist dieses Buch für den Einsteiger insofern wertvoll, als dass es etliche Best Practises zur Erstellung und Pflege des Product Backlogs erläutert.  Gleiches gilt für das Thema Release-Management, auch hier wird erläutert, wie Releases im agilen Kontext geplant werden können und wie der Fortschritt gemessen werden kann.

Ein sehr langes Kapitel ist dem Thema Sprint gewidmet. Hier erfährt der Leser alles über Planning, Backlog, Review und Retrospektive. Auch Tipps zur Durchführung der Dailies kommen nicht zu kurz. Weitere Kapitel über Scrum in großen und verteilten Projekten sowie zur Einführung in Organisationen runden das Buch ab.

Insgesamt ein durch und durch gelungenes Buch für alle, die wissen wollen, wie Scrum funktioniert. Allen, die Scrum ausprobieren möchten, sei dieses Buch uneingeschränkt empfohlen.