Bertrand Meyer: Agile! The Good, the Hype and the Ugly

Bertrand Meyer: Agile! The Good, the Hype and the Ugly

Bertrand Meyer: Agile! The Good, the Hype and the Ugly

Das erste Buch, dass sich objektiv und neutral mit Agilität auseinandersetzt, ist mir natürlich eine ebenso objektive und neutrale Rezension wert – und ich werde sie inkrementell verfassen.

Nachdem ich in einem Kommentar zu einem infoQ-Artikel geschrieben habe, dass ich eine Rezension verfassen würde, bin ich gerade dabei das Buch zu lesen.

Eigentlich habe ich Bertrand Meyer immer geschätzt, seine Bücher über Objektorientierte Softwareentwicklung haben mich im Studium begleitet. Er gehörte zu den Großen.

Jetzt habe ich das erste Kapitel gelesen und muss feststellen: Meyer demontiert sich in unerhörtem Ausmaß selbst. Nicht nur, dass schon in der Einleitung deutlich wird, dass er die Grundlagen agiler Methoden nicht verstanden hat, er definiert vielmehr in einer Auflistung diverser Praktiken aus dem agilen Umfeld alles als “gut”, das seiner Meinung nach nicht aus der agilen Community entstammt und alles als “schlecht”, das seiner Meinung eben aus dieser Community kommt.

Dabei interessiert ihn nicht, ob die betreffende Praktik sich irgendwo bewährt hat (User Story) oder tatsächlich von Agilisten zuerst beschrieben wurde (Continuous Integration). Ersteres ist schlecht, weil das eben so ist, letzteres ist nicht neu, weil es gut ist und es damit nicht agile sein kann.

Ich bin jetzt erst mit dem ersten Kapitel durch und über alle Maßen enttäuscht. Ich lese in diesem Buch vor allem Frust, aber wenig Sachlichkeit.

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Ulf Brandes, Pascal Gemmer, Holger Koschek & Lydia Schültken: Management Y

Ulf Brandes, Pascal Gemmer, Holger Koschek & Lydia Schültken: Management Y

Ulf Brandes, Pascal Gemmer, Holger Koschek & Lydia Schültken: Management Y

Allen, die als Nicht-ITler ins Thema Agilität und vor allem Führung im agilen Kontext einsteigen wollen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Wer – wie ich – schon länger mit diesen Themen unterwegs ist, wird allerdings wenig neues entdecken.

Der Aufbau des Buches erinnerte mich sehr stark an Fearless Change. Zunächst wird im Teil Mehr Menschlichkeit im Management! die grundlegende Motivation für das Buch erklärt. Die von den Autoren vertretenen Ansichten teile ich auch – bis auf die Tatsache, dass Taylor unverdient mal wieder viel zu schlecht wegkommt.

Im zweiten Teil des Buches wird Management Y aus vier Sichten beschrieben: Organisation gemeinsam erleben, Liefern, was gebraucht wird, Menschen ehrlich begeistern und Kunden wirklich verstehen.Der zweite Teil ist eine Runde Sache und für Einsteiger super. Alle vier Blickwinkel werden kompakt beschrieben und moderne Wege gezeigt, sich ihnen zu stellen. Einziges Manko ist, dass bestimmte Modelle sehr stark im Fokus stehen – vielleicht weil sie den Vorlieben der Autoren entsprechen.

Mit insgesamt 24 Pattern ist der dritte Teil sehr hilfreich, wenn man sich in der Welt agiler Praktiken orientieren will. Wer regelmäßig in der Community unterwegs ist, Blogs liest oder schon andere Bücher zum Thema kennt, wird aber nur schwerlich etwas Neues finden.

Der Ausblick am Schluss ist für mich persönlich etwas zu esoterisch. Ich mache zwar regelmäßig Yoga und meditiere auch sehr gerne – aber das passt nicht zu einem Buch, dass das Wort Management im Titel trägt.

Der Titel ist auch das, was ich an dem Buch im Wesentlichen kritisieren muss. Ich bin ein großer Verfechter des Management 3.0 und empfand das Buch von Jurgen Appelo als einen Meilenstein der Management-Literatur. Management Y hat mit Management …wenig zu tun. Es ist eher eine Ideensammlung und ein Startpunkt für Menschen, die sich mit dem Thema Agilität auseinandersetzen wollen. Wer sich mit Führung – oder Management – in agilen Organisationen auseinandersetzen will, kommt nach wie vor an Appelo nicht vorbei.

Mein Fazit: Das Buch ist super. Für mich persönlich war es viel zu flach. Aber ich bin auch nicht die Zielgruppe. Es gibt dennoch vier Sterne bei Goodreads, weil die Zusammenstellung im Buch für Einsteiger richtig Klasse ist – und die sind mit Sicherheit auch die Zielgruppe :-)

David J. Anderson: Kanban

David J. Anderson: Kanban

David J. Anderson: Kanban

Andersons Kanban-Buch kann man als Meilenstein des Change Managements im IT-Bereich betrachten. Nicht nur, dass es Anderson gelang, mit Kanban eine konsequente Übertragung der Prinzipien des Lean Manufacturing auf den Bereich der Softwareentwicklung zu übertragen. Vielmehr hat er es geschafft, darüber hinaus die Einführung solcher Prinzipien methodisch so aufzubereiten, dass es Managern möglich wird, die notwendigen Veränderungen systematisch durchzuführen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert.
Zunächst wird dem Leser das Dilemma des agilen Managers, nämlich die Suche nach einer konstanten Arbeitsgeschwindigkeit und die grundlegende Funktionsweise eines Kanban-Systems nahegebracht. Danach erläutert Anderson die fünf Schritte, die eine Einführung von Kanban ermöglichen und erklärt anhand von Beispielen aus seiner Management-Praxis, wie sie umgesetzt werden können. Abgeschlossen wird der zweite Teil des Buches mit einer Betrachtung von Kaizen-Kultur.

Im dritten Teil geht es dann mit den praktischen Fragestellungen richtig los. Visualisieren der Prozesse, Einsatz von Kanban zur Koordination, Lieferrhythmen und Work-in-Progress-Limits, um ein paar Stichworte zu nennen. Natürlich geht Anderson auch auf Reporting, Metriken zum Monitoring des Fortschritts und des Reifegrades der Kanban-Implementierung und auf das Thema Skalierung ein. Extrem positiv fallen die vielen verschiedenen Szenarien auf, anhand derer Anderson seine Ideen erklärt.

Der vierte Teil beschäftigt sich mit Problemen, die sich auf die kontinuierliche Verbesserung des Kanban beziehen, wie Variabilität bei den Aufgaben und begrenzt verfügbaren Ressourcen. Abgeschlossen wird das Buch durch den Kanban-Einführungsbericht eines Unternehmens.

Was mir nicht gefallen hat, war Andersons Bashing von Daily Standup Meetings. Hier gehen unsere Meinungen weit auseinander, insbesondere, weil das Standup Koordinationsaufwände transparent macht – etwas, das Anderson immer wieder als wichtig beschreibt. Die deutsche Übersetzung ist an einigen Stellen holprig, referenziert zum Teil völlig anders beschriftete Abbildungen und – das hätte ich bei einem korrigierten Nachdruck nicht erwartet – strotzt nur so vor Rechtschreibfehlern.

Fazit: Das Buch gehört zu den Must-Reads für Agilisten, denn viele Konzepte aus der Welt des Lean können auch in Scrum und Extreme Programming erfolgreich angewandt werden.

Gerard Meszaros: xUnit Test Patterns

Gerard Meszaros: xUnit Test Patterns

Gerard Meszaros: xUnit Test Patterns

457 Seiten ausschließlich über Unit Test Pattern zu schreiben sind eine Leistung. Und die Pattern sind gut!

Meszaros’ Buch hat mit über 900 Seiten einen Umfang, der viel Softwareentwickler zurückschrecken lässt. Aber es ist absolut lohnenswert, sich mit dem Thema Test Pattern zu beschäftigen. Der Autor betrachtet Unit Tests in seinem Buch hauptsächlich aus der Perspektive des Refactorings, die Pattern sind aber nicht nur dafür nützlich.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. In der Einführung wird neben obligatorischen Begriffserklärungen sehr gut dargestellt, welchen Wert automatisierte Unit Tests für Softwareprojekte haben. Meszaros liefert hiert eine nicht zu unterschätzende Argumentationshilfe für viele Projekte.

Der erste Teil des Buches, mit The Narratives schon fast ironisch betitelt, führt den Leser auf 180 Seiten in die Methodik des automatisierten Testens mit Unit Test Frameworks ein. Dabei werden Unit Tests gegenüber anderen Tests abgegrenzt. Methodisch bleibt der Autor aber nicht auf Unit Tests beschränkt, sondern geht z.B. mit Datenbanktests über die klassischen Grenzen des Unit Tests hinaus. Auch wenn das nicht der reinen Lehre des Unit Tests entspricht, hilft es Entwicklern in der Praxis ungemein, sind derartige Vermischungen der Abstraktionsniveaus von Tests in Projekten schlicht und einfach Alltag – und oft auch unvermeidlich.

Im zweiten Teil werden Test Smells vorgestellt – man könnte sie auch als Anti Pattern nennen, aber der Begriff ist einfach zu ausgelutscht. Meszaros nimmt dazu drei Perspektiven ein: Smells des Test Codes, Smells im Testablauf und Smells in Projekten. Alle drei Perspektiven kennen die meisten Entwickler aus ihrer täglichen Arbeit.

Das eigentliche Thema des Buches, Test Pattern, wird im dritten Teil behandelt. Dieser Teil ist zugleich der dickste des Buches. Da der Autor auf der Website zum Buch alle Pattern aufgeführt hat, verzichte ich hier auf eine ausführliche Diskussion einzelner Pattern. Die Pattern sind allesamt sehr ausführlich erklärt, mit Grafiken ergänzt, die eine Vorstellung des Testablaufs einfach machen. Genauso wünscht man sich Diskussionen zu Pattern.

Abgeschlossen wird das Buch durch eine Reihe Anhänge, in denen unter anderem eine ganze Reihe Unit Test Frameworks und andere Tools vorgestellt werden. Verschiedene Verzeichnisse erleichtern die Suche im Buch und ein Glossar, dass es durchaus mit dem Glossary des ISTQB aufnehmen kann, ist auch enthalten.

Fazit: Ein Buch, das jedes Kilo wert ist. Für Softwareentwickler sollte die Lektüre dieses Werkes Einstellungsbedingung sein. Tester sollten es gelesen haben, um zu verstehen, wie leicht Testen sein kann, wenn man die richtigen Werkzeuge und Methoden kennt.

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Johanna Rothman & Esther Derby: Behind Closed Doors

Ein Buch über Management im Pragmatic Bookshelf musste ich natürlich lesen. Vor allem, wenn mit Esther Derby eine bekennende Agilisting zu den Autoren gehört.

Das Buch erinnert entfernt an Tom DeMarcos Der Termin. Es ist kein klassisches Fachbuch, sondern der Leser begleitet Sam, einen neuen Manager in einer Softarefirma, während seiner ersten sieben Wochen. Jede dieser sieben Wochen entspricht dabei einem Kapitel. Der Stil innerhalb der einzelnen Kapitel variiert sehr stark. Es gibt Szenen, in denen Personen miteinander sprechen und der Leser erfährt, was Sam sich so alles denkt. Nebenbei werden verschiedene Managementmethoden vorgestellt und verschiedene Themen in vom eigentlich Text abgesetzten Boxen erkläutert. Einen direkten Leseweg durch das Buch gibt es nicht, zumal viele der Managementmethoden in Form von Pattern im letzten Kapitel erklärt sind.

Das Buch ist amüsant geschrieben ohne, dass ihm die Ernsthaftigkeit fehlt. Der Leser begleitet Sam während seiner ersten sieben Wochen durch die üblichen Hochs und Tiefs des Managements in Softwareunternehmen. Die beiden Autorinnen haben dazu auch einen ausreichenden Erfahrungsschatz aus dem sie berichten können.

Fazit: Dieses Buch darf neben Der Termin im Regal stehen. Man kann jede Menge über Management im Bereich der Softwareentwicklung lernen. Es liest sich gut und ist auch für Leser, die mit der englischen Sprache nicht so stark vertraut sind, zu verstehen. Besonders das Kapitel über die Techniques for Practicing Great Management sollte zum Curriculum eines jedes Master of Business Administration gehören.

Christof Ebert: Outsourcing kompakt

Christof Ebert: Outsourcing kompakt

Christof Ebert: Outsourcing kompakt

Innerhalb von kurzer Zeit das zweite Buch von Christof Ebert aus der kompakt-Reihe, das ich gelesen habe. Auch dieses Buch ist kurz, knapp und präzise. Der Autor hat es wieder geschafft, dem Titel zu entsprechen.

In der IT-Branche kommt man nicht umhin, sich mit dem Thema Outsourcing zu beschäftigen. Sei es als Dienstleister oder Freelancer auf Seite der Auftragnehmer oder als Projektmanager auf Seite eines Auftraggebers.
Ebert beleuchtet in seinem Buch vor allem die letztgenannte Seite. Wie auch in seinem Buch über Risikomanagement arbeitet der Autor viel mit Checklisten, allein im zweiten Kapitel liefert er drei davon.

Im ersten Kapitel beschreibt er Motivationen für Outsourcing ebenso wie Gründe, warum erfolgreiches Outsourcing so schwer ist. Zusätzlich liefert dieses Kapitel noch eine Übersicht der Begriffe, mit denen der Leser beim Thema Outsourcing konfrontiert wird.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Frage nach den Möglichkeiten des Outsourcing bezogen auf Organisationen und konkrete Projekte. Die Kapitel drei und vier beschäftigen sich mit den Themen der Lieferantenauswahl und der Herausforderungen des internationalen Outsourcing. Hier liegt der Fokus vor allem auf den Großen Drei: Indien, China und Osteuropa. Das folgende Kapitel beschäftigen sich mit dem Thema Lieferantenmanagement, insbesondere den rechtlichen und vertraglichen Aspekten im Zusammenhang mit Outsourcing.

In Kapitel Sechs erklärt der Autor, wie man einen Outsourcing-Prozess aufbaut, welche Rollen wahrgenommen werden müssen – und wie man sich als Auftraggeber schützt. Einer einzigen Rolle ist ein komplettes, wenn auch nur sehr kurzes Kapitel gewidment: dem Outsourcing-Manager. Abgeschlossen wird das Buch durch Kapitel mit Tipps zum erfolgreichen Outsourcing und aktuellen Trends und Entwicklungen des Themas.

Fazit: Wer sich beruflich, insbesondere in der IT-Branche, mit dem Thema Outsourcing beschäftigen muss, egal ob als Auftraggeber oder Auftragnehmer, für den ist das Buch ein guter Einstieg ins Thema. Es hilft, eigene Schwächen zu erkennen und kann als Ausgangspunkt dienen, diese anzugehen.

Christof Ebert: Risikomanagement kompakt

Christof Ebert: Risikomanagement kompakt

Christof Ebert: Risikomanagement kompakt

Ein Buch das im Titel das Wort kompakt trägt darf kurz, knapp und präzise sein.
Christof Eberts Werk zu Thema Risikomanagement in IT- und Softwareprojekten erfüllt alle drei Kriterien.

Das Buch beginnt mit einem Zitat von Tom Gilb zum Thema Risiken, welches dem geneigten Leser ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Der Autor hat den Anspruch, einen Einstieg und eine Übersicht zum Thema Risikomanagement zu liefern, was ihm auch gelingt. Das Buch beginnt mit einem recht trockenen Kapitel zur Frage was Risiken und Unsicherheiten überhaupt und insbesondere bei IT- und Software-Projekten sind. Darauf folgt jeweils ein Kapitel zu den Themen Identifizieren, Bewerten, Abschwächen und Verfolgen von Risiken. Zwei abschließende Kapitel widmen sich den Fragen der Risikostrategie und einigen allgemeinen Tipps.

Trotz der Kompaktheit des Buches gelingt es dem Autor, jede Menge hilfreiche Checklisten unterzubringen und beinahe sämtliche Standards und Vorgehensmodelle zum Thema Risikomanagement zu erwähnen. Sehr hilfreich sind auch die Hinweise zu weiterführender Literatur.

Leider ist der Schreibstil etwas zäh, so dass es Disziplin erfordert, das Buch komplett zu lesen. Länger als die knapp 140 Seiten hätte es nicht sein dürfen.

Fazit: Ein nützlicher Einstieg ins Thema Risikomanagement bei dem die Würze in der Kürze liegt. Muss man nicht gelesen haben, wenn man weiterführende Werke kennt.

Kent Beck: Test Driven Development by Example

Kent Beck: Test Driven Development by Example

Kent Beck: Test Driven Development by Example

Wer mit Test-Driven Development beginnen möchte, kommt um Kent Becks Buch nicht herum. Es langweilt nicht mit Theorie, wie es laufen sollte, sondern zeigt an drei sehr klaren Beispielen in Java und Python, wie Test-Driven Development funktioniert.

Im ersten Teil wird anhand des berühmten Money-Beispiels gezeigt, wie Test-Driven Development zu gutem Design und klaren Strukturen führt. Dabei entspricht das Ergebnis den Clean Code-Prinzipien, ohne dass man als Entwickler explizit darüber nachdenken muss. Kent Beck zeigt, wie man mit Test-Driven Development Design-Entscheidungen trifft, Refactorings durchführt und den Mut findet, einen Schritt zurück zu gehen, wenn eine Entscheidung sich als nicht mehr optimal herausstellt, weil sich die Anforderungen geändert haben.
Als Sprache für den ersten Teil kommt Java zum Einsatz und – natürlich – JUnit als Framework für die Tests.

Der zweite Teil zeigt am Beispiel von Python, wie man ein xUnit-Framework mit Test-Driven Development erstellen kann. Es lohnt sich, dieses Kapitel zu lesen, wenn man sich eine Vorstellung davon machen möchte, wie Test-Driven Development unter schwierigen Bedingungen funktioniert. Große Kenntnisse in Python sind ebensowenig erforderlich, wie Kenntnisse in Java für den ersten Teil.

Abgerundet wird das Buch mit einem dem Thema Pattern gewidmeten dritten Teil. Sämtliche Pattern werden im Umfeld des Test-Driven Development angewendet, wobei Kent Beck unterscheidet zwischen Test Pattern und Pattern für die Implementierung, die das Testen lediglich vereinfachen. Es ist interessant, dass Kent Beck in diesem Teil z.B. Mock Objects auf ein Pattern reduziert. Eingefleischte Fans von Mock Objects werden sich da sicherlich ungerecht behandelt fühlen, aber aus der Perspektive des Buches ist die Reduzierung an dieser Stelle sicherlich valide. Beispiele für Pattern zur Implementierung sind das Value Object, das Null Object oder die Factory Method.

Für diese und weitere Pattern gibt Kent Beck Empfehlungen dazu, ob sie beim Schreiben von Tests oder beim Refactoring sinnvoller einzusetzen sind. Den Abschluss des dritten Teils bilden Kapitel über Pattern zum Refactoring und zum Meistern von Test-Driven Development.

Der Stil des Buchs ist außergewöhnlich. Kent Beck schreibt, als würde er in einer Pair Programming Session neben einem sitzen. Das irritiert zu Beginn, hilft aber ungemein in das Thema zu finden. Das Buch ist dadurch extrem locker geschrieben und schnell gelesen. Die Code-Beispiele sind sehr gut verständlich.

Fazit: Wer mit Test-Driven Development beginnen möchte, muss dieses Buch gelesen haben. Für Fortgeschrittene ist es zu trivial.

Oliver Hummel: Aufwandsschätzungen kompakt

Oliver Hummel: Aufwandsschätzungen kompakt

Oliver Hummel: Aufwandsschätzungen kompakt

Oliver Hummel legt mit Aufwandsschätzungen kompakt eine gelungene Übersicht gängiger Methoden zur Aufwandsschätzung und Projektplanung.
Besonders erfreulich für mich war der Einstieg mit Story Points, wenngleich man merkt, dass der Autor hier wenig Praxiserfahrung mitbringt. Die Kalulation von Netto-Arbeitsstunden für Sprints ist mittlerweile überholt. Aber für das agile Schätzen hat ja bereits Mike Cohn ein Buch geschrieben. Die im einführenden Kapitel vorgestellten Schätztechniken, wie die einfache Zwei- oder Drei-Punkt-Schätzung sowie Schätzungen auf Basis von Analogien sind gut erklärt und für Softwareentwickler hilfreich.

Einen großen Teil nimmt das Kapitel zur Einschätzung von Komplexität des zu entwickelnden Systems ein. Neben Function Points in verschiedenen Varianten erklärt der Autor auch ähnlichen Modelle wie Object Points nach Banker, Use Case Points und die speziell für Web Applikationen geeigneten Web Objects. Die Einführung in diese Schätzmethoden ist sehr hilfreich und übersichtlich, die Methoden an sich halte ich aber im Projektalltag für wenig tauglich. Der Autor beruft sich auf verschiedene Statistiken, die die Zuverlässigkeit der einzelnen Methoden beweisen, das Problem des Vorausplanens bleibt aber bestehen. Alle Methoden gehen von der Annahme aus, dass ein Projekt eine vorangestellte Planungsphase haben kann, in der die Anforderungen detailliert beschrieben werden können, um auf dieser Basis Schätzungen zu erstellen.

Zur tatsächlichen Aufwandschätzung werden die Methoden COCOMO und SLIM vorgestellt. Beide Methoden können auf Basis einer Komplexitätsschätzung, z.B. auf Basis von Function Points und einer Umrechnungstabelle in Lines of Code, den voraussichtlichen Aufwand für ein Projekt kalkulieren. Die Formeln erscheinen mir sehr willkürlich, kritische Geister werden hier wohl in der Originalliteratur recherchieren.

Im Kapitel über die eigentliche Projektplanung geht der Autor leider nur von klassischen Wasserfallprojekten aus. Ob die heute irgendwo überhaupt noch stattfinden, sei dahingestellt. Eine Gegenüberstellung mir Mike Cohns agiler Projektplanung hätte an der Stelle das Buch rund gemacht. Ein Kapitel mit Praxistipps für Projektallags, zur Kommunikation und Verhandlung von Aufwandsschätzungen, Werkzeugen zur Unterstützung des Schätzens und einer kompakten Übersicht schließen das Buch ab.

Lesenswert machen das Buch die Ausflüge zu Tom DeMarco, Parkikson’s Law, Todesmarsch-Projekten und andere anekdotische Darstellungen. Das Buch ist flüssig geschrieben und gibt Entwicklern einen guten Überblick der Materie.
Zur Anwendung der komplexen Schätzverfahren benötigt man aber viel Erfahrung.

Der Autor bietet auch eine Website mit Korrekturen und vielen interessanten Links zum Buch.

Angelika Langer & Klaus Kreft: Java Core Programmierung

Angelika Langer & Klaus Kreft: Java Core Programmierung

Angelika Langer & Klaus Kreft: Java Core Programmierung

Mit Java Core Programmierung legt der Software & Support-Verlag einen Band vor, dessen Grundlage eine Artikelreihe des Java Magazins ist. Die Autoren haben den einzelnen Kapiteln im Buch auch den Charakter von Magazinartikeln gelassen, so dass sie weitestgehend unabhängig voneinander gelesen werden können. Es ist allerdings hilfreich, die einzelnen Kapitel nacheinander zu lesen, weil etliche Details die in den ersten Kapiteln erklärt werden und später nur noch kurz zusammengefasst sind.

Im ersten Teil des Buches beschäftigen sich die Autoren mit dem Thema Synchronisation und dem Java Memory Modell. Etliche Kapitel sind dem Thema volatile gewidmet, dabei wird insbesondere auf die Fragestellung eingegangen, ob und wann volatile Variablen Sychronisation ersetzen können. Ausgehend davon werden noch Atomic Scalars und atomare Referenzen behandelt. Es werden etliche Pattern und Anti-Pattern erklärt. Die Code-Beispiele sind angenehm kurz und prägnant gehalten, wobei eine Zeilennummerierung schön gewesen wäre.

Der zweite Teil befasst sich ausführlich mit dem Thema Garbage Collection. Die Generational Garbage Collection, die seit Java 1.3 zum Einsatz kommt, wird ausführlich erklärt. Etliche Tuning-Optionen werden vorgestellt und Vor- und Nachteile der einzelnen Algorithmen besprochen. Zum Schluss wird noch auf den Garbage-First (G1) Garbage Collector eingegangen, der seit Update 14 des JDK 6 verfügbar ist.

Das Buch basiert auf dem Java Runtime Environment in der Version 6, die meisten Prinzipien dürften aber nach wie vor gelten. Das Manko des Buches ist ganz klar ein mangelndes Lektorat. Zwar schreiben die Autoren in der Einleitung, dass die einzelnen Artikel nur marginal überarbeitet wurden, allerdings hätte sich der Verlag durchaus die Mühe machen können, offensichtliche Tippfehler und Buchstabendreher zu korrigeren. Als Leser fühlt man sich dabei nicht sonderlich wertgeschätzt.

Fazit: Java-Entwickler sollten dieses Buch gelesen haben, die vermittelten Kenntnisse sind in jedem Fall sehr hilfreich. Wer Zugriff auf alte Ausgaben des Java Magazins hat, kann sich den Kauf aber sparen.