Kontinuierliche Verbesserung und Wachstum

„KVP beruht auf der Annahme, das Wachstum der einzig relevante Faktor eines Unternehmens zur Steigerung seiner Wirtschaftlichkeit ist. KVP ist endlich und somit zum Scheitern verurteilt.“

Eine herrliche These, sofern man diese Behauptung als solche bezeichnen mag. Beruht KVP auf der Annahme, dass Wachstum der einzig relevante Faktor ist? Nein, definitiv nicht. Denn KVP macht sich um ziemlich viel Gedanken, aber nicht um Wachstum. Bei KVP geht es um Qualität von Dienstleistungen, Prozessen und Produkten. Aber wahrlich nicht um Wachstum.

Das wird als Seiteneffekt gerne in Kauf genommen, ist aber nicht das direkte Ziel von KVP.

Im Artikel wird Karl zitiert mit der Aussage, dass „unendliches Wachstum in einer endlichen Welt nicht funktionieren kann“. Das hört man sehr oft, ist aber, sofern es um Ökonomie geht, falsch. Natürlich ist es nicht möglich, das physikalische Entitäten in einer endlichen Welt unendlich wachsen. Ökonomie ist aber keine physikalische Entität, sondern ein virtuelles Modell. Das bedeutet, dass wir Ökonomie nur anhand ihrer Wirkung erleben und diese Wirkungen abstrakt beschreiben. Man kann davon ausgehen, dass eine Ökonomie, die auf dem Verbrauch von Ressourcen basiert, nur so lange funktioniert, wie diese Ressourcen zur Verfügung stehen. Im Falle eines kontinuierlichem Wachstums beschleunigt eine solche Ökonomie ihren Untergang, je näher sie ihm kommt.

Nun ist Ökonomie aber auch ein adaptives System, sie hat die Fähigkeit sich anzupassen. Man könnte sagen, der Ökonomie als solcher ist ein KVP innewohnend. Eine Ökonomie, die auf dem Verbrauch von Ressourcen begründet ist, hat die Möglichkeit, sich zu wandeln, nämlich zu einer Ökonomie, die auf der Transformation von Ressourcen beruht. Viele Ressourcen haben Eigenschaften, die eine beliebig häufige Wiederverwendung ermöglichen oder können durch Alternativen ersetzt werden. Damit ist die Existenz einer (ursprünglich Ressourcen verbrauchenden) Ökonomie in einer endlichen Welt auf unbestimmte Zeit möglich. Jetzt kommt die Frage nach dem Wachstum und hier sei – unter vielen anderen guten Büchern zu diesem Thema – Tomáš Sedláčeks „Die Ökonomie von Gut und Böse“ empfohlen.

Das ökonomische Wachstum das wir heute erleben ist zum Einen ein Wachstum der Dienstleistungen, für die ein Ende nicht bestimmbar ist, denn das würde bedeuten, dass wir alle denkbaren Dienstleistungen schon kennen. Dass das nicht der Fall ist, zeigt sich immer wieder auf’s Neue und kann gut durch die Five Orders of Ignorance erklärt werden. Zum Anderen beruht das Wachstum auf einer kontinuierlichen Entwertung des Geldes, das dem Prinzip unseres Schuldgeldsystems anzulasten ist. Das kann man gut oder schlecht finden, es funktioniert bisher ausreichend gut und sämtliche Adaptionen davon (Schwundgeld, Regionalgeld etc. ist nichts anderes als kontinuierlich entwertetes Geld) basieren auf dem gleichen Prinzip. Wer sich dafür interessiert, möge meine Thesis über den Gold Standard lesen, da habe ich das recht ausführlich erklärt.

Nun, zurück zur ursprünglichen Aussage. Diese ist meiner Meinung nach grundlegend falsch, weil sie von zwei falschen Prämisse ausgeht:

  1. KVP geht nicht von der erwähnten Annahme aus.
  2. KVP ist nicht endlich, weil selbst wenn KVP von dieser Annahme ausgehen würde, weder dem Wachstum noch den Verbesserungsmöglichkeiten Grenzen gesetzt sind.

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