Oliver Hummel: Aufwandsschätzungen kompakt

Oliver Hummel: Aufwandsschätzungen kompakt
Oliver Hummel: Aufwandsschätzungen kompakt

Oliver Hummel legt mit Aufwandsschätzungen kompakt eine gelungene Übersicht gängiger Methoden zur Aufwandsschätzung und Projektplanung.
Besonders erfreulich für mich war der Einstieg mit Story Points, wenngleich man merkt, dass der Autor hier wenig Praxiserfahrung mitbringt. Die Kalulation von Netto-Arbeitsstunden für Sprints ist mittlerweile überholt. Aber für das agile Schätzen hat ja bereits Mike Cohn ein Buch geschrieben. Die im einführenden Kapitel vorgestellten Schätztechniken, wie die einfache Zwei- oder Drei-Punkt-Schätzung sowie Schätzungen auf Basis von Analogien sind gut erklärt und für Softwareentwickler hilfreich.

Einen großen Teil nimmt das Kapitel zur Einschätzung von Komplexität des zu entwickelnden Systems ein. Neben Function Points in verschiedenen Varianten erklärt der Autor auch ähnlichen Modelle wie Object Points nach Banker, Use Case Points und die speziell für Web Applikationen geeigneten Web Objects. Die Einführung in diese Schätzmethoden ist sehr hilfreich und übersichtlich, die Methoden an sich halte ich aber im Projektalltag für wenig tauglich. Der Autor beruft sich auf verschiedene Statistiken, die die Zuverlässigkeit der einzelnen Methoden beweisen, das Problem des Vorausplanens bleibt aber bestehen. Alle Methoden gehen von der Annahme aus, dass ein Projekt eine vorangestellte Planungsphase haben kann, in der die Anforderungen detailliert beschrieben werden können, um auf dieser Basis Schätzungen zu erstellen.

Zur tatsächlichen Aufwandschätzung werden die Methoden COCOMO und SLIM vorgestellt. Beide Methoden können auf Basis einer Komplexitätsschätzung, z.B. auf Basis von Function Points und einer Umrechnungstabelle in Lines of Code, den voraussichtlichen Aufwand für ein Projekt kalkulieren. Die Formeln erscheinen mir sehr willkürlich, kritische Geister werden hier wohl in der Originalliteratur recherchieren.

Im Kapitel über die eigentliche Projektplanung geht der Autor leider nur von klassischen Wasserfallprojekten aus. Ob die heute irgendwo überhaupt noch stattfinden, sei dahingestellt. Eine Gegenüberstellung mir Mike Cohns agiler Projektplanung hätte an der Stelle das Buch rund gemacht. Ein Kapitel mit Praxistipps für Projektallags, zur Kommunikation und Verhandlung von Aufwandsschätzungen, Werkzeugen zur Unterstützung des Schätzens und einer kompakten Übersicht schließen das Buch ab.

Lesenswert machen das Buch die Ausflüge zu Tom DeMarco, Parkikson’s Law, Todesmarsch-Projekten und andere anekdotische Darstellungen. Das Buch ist flüssig geschrieben und gibt Entwicklern einen guten Überblick der Materie.
Zur Anwendung der komplexen Schätzverfahren benötigt man aber viel Erfahrung.

Der Autor bietet auch eine Website mit Korrekturen und vielen interessanten Links zum Buch.

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